Objekt : Schulhaus Brunnmatt Bern
Untertitel : Bauwerk oder Kunstwerk, Betoninstandsetzung oder Handwerk und Liebe zum Detail
Datum: 09.12.14
Ort: Bern, Schweiz 
Ausführung: 2013
Aufgabe:

Das Schulhaus Brunnmatt in Bern ist auf relativ engem Raum zwischen der

Kreuzung und den bestehenden Liegenschaften eingebettet. Um den

Pausenplatz auf den neusten Stand zu bringen und die Sicherheit der

Schüler weiterhin gewährleisten zu können, wurde zwischen Frühling und

Herbst 2013 die Sanierung des Pausenplatzes durchgeführt.

Produkteinsatz:

PCI Nanocret R4 SA

(alter Name: EMACO S80)

Bauherr: Stadtbauten Bern
Firma: Marti AG, Moosseedorf

Objekt:

Das Schulhaus Brunnmatt in Bern ist auf relativ engem Raum zwischen der Kreuzung und den bestehenden Liegenschaften eingebettet. Um den Pausenplatz auf den neusten Stand zu bringen und die Sicherheit der Schüler weiterhin gewährleisten zu können, wurde zwischen Frühling und Herbst 2013 die Sanierung des Pausenplatzes durchgeführt. 

Im Rahmen dieser Sanierung wurde an der ca. 100-jährigen Umfassungswand eine Instandsetzung des unarmierten Betons notwendig. Die Betonmauer war teilweise stark gerissen und zeigte Verwitterungserscheinungen auf. Als interessantes Detail an dieser Mauer ist das Fugenbild, das eine Natursteinmauer vortäuschen sollte, zu bemerken. Ziel der Betoninstandsetzung war es die ursprüngliche Betonmauer wieder so herzustellen, wie sie vor vielen Jahren dagestanden sein muss.

Die Mauer selber hat eine Abwicklung von ca. 140 Metern und ist zwischen 0.5 bis ca. 2 m hoch. Auf der Mauer ist ein altes Metallgeländer eingelassen, das nach hinten an der Mauerrückseite befestigt ist.

Unternehmervariante:

Als ursprüngliche Ausführung wurde ein Komplettersatz vorgesehen, wobei der möglichst exakte Erhalt des Fugenbildes gewünscht war. Dies bedingte zuerst einmal, dass die bestehende Geometrie der Wand und deren Fugeneinteilung festgehalten werden musste. Dies erfolgte anhand von alten Plänen und durch eine fotografische Aufnahme, die dann in ein 3D Modell überführt wurde.

Da bei einem kompletten Neubau der Mauer durch klassische Betonarbeiten das alte Fugenbild nur durch eine Einlage in der Schalung hätte erfolgen können, wurde von Seite des Unternehmers die Variante mit der Betoninstandsetzung vorgeschlagen. Die Varianten wurden miteinander verglichen und es stellte sich heraus, dass die wirtschaftlichste Lösung mit einer Betoninstandsetzung zu erreichen war.

Ausführungsdetails:

Das wahre Ausmass der Instandsetzung kam erst zum Vorschein, als die verrissene und nicht mehr tragfähige Substanz entfernt war. Der Betonabtrag erfolgte durch Spitzen, weil der Beton bereits so stark zerstört war, dass er so ohne grosse Lärmemissionen entfernt werden konnte. Am übriggebliebenen Bauteil konnte die ursprüngliche Mauer fast nicht mehr erkannt werden. Hingegen lag eine sehr raue Oberfläche vor, die ideal für den Auftrag eines Reparaturmörtels im Spritzverfahren war.

Die Auftragsstärken lagen zwischen 10 und 250 mm. In mehreren Arbeitsgängen wurde die fehlende Substanz wieder aufgetragen. Vor der letzten Auftragsschicht wurde der Mauerkopf, der vollständig entfernt werden musste, durch ein vorfabriziertes Element wieder so hergestellt, dass dieser ca. 10 bis 15 mm unterhalb der Sollmasse lag. Die Oberfläche des vorfabrizierten Elementes wurde mittels Sandstrahlen soweit aufgeraut, dass die Anhaftung mit dem Reparaturmörtel Emaco S80 (neuer Name PCI Nanocret R4 SA) gewährleistet werden konnte. Mittels vorgespritzten streifenförmigen Höhenreferenzen wurde sichergestellt, dass die Endmasse der Mauer wieder eingehalten wurden. Unmittelbar nach dem Spritzauftrag wurde der Mörtel auf die geforderte Koten abgezogen und soweit stehen gelassen bis die nötige Standfestigkeit erreicht war, um das Fugenbild auszuführen.

Kunsthandwerk:

Das Kunstwerk wurde erst zu dem was es heute ist, weil sich der Unternehmer für die Ausführung dieses Bauwerks sehr viel Gedanken gemacht hat. So wurde in der eigenen Schlosserei in Zusammenarbeit mit dem Mitarbeiter, der die Fugen ausführte, ein Sonderwerkzeug erschaffen, das es ermöglichte, das Fugenbild gerade und einheitlich auszuformen. Das Werkzeug musste selbstverständlich auf den Fugen-Künstler, auf das Objekt mit unterschiedlichen Radien, das Material und den Arbeitsfortschritt optimal abgestimmt sein. Die Fugen wurden immer durch denselben Mitarbeiter gezeichnet um auch hier eine einheitliche Handschrift auszubilden.

Für die Ausbildung der obersten Rundungen wurde ein etwas einfacheres Holzwerkzeug zu Hilfe genommen. Diese Rundungen mussten mit der genau gleichen Sorgfalt auch an den Radien der Mauer zu den Eingangstreppen ausgeführt werden. Diese doppelte Schwierigkeit ist heute am abgeschlossenen Objekt nicht zu erkennen, da alle Rundungen gleich aussehen.

Wieso Emaco S80:

Für die erfolgreiche Ausführung eines solchen Objektes ist es erstens sicherlich wichtig, die eigenen Fertigkeiten zu kennen und auf langjährige Erfahrung in ähnlichen Bereichen zurückgreifen zu können. Ausserdem ist die Abschätzung des Objektes vor Ort und die Kenntnis des einzusetzenden Materials von höchster Wichtigkeit. So muss die Verarbeitbarkeit beim Spritzen, das Abziehen, die Nachbearbeitung und das Zeichnen der Fugen optimal aufeinander abgestimmt sein. Die Ausführung muss bei eher tiefen wie auch bei eher hohen Temperaturen einwandfrei ausgeführt werden können.

Deshalb braucht es neben allen erwähnten Faktoren auch die nötige Überzeugung, die Liebe zu Detail und die Möglichkeit diese Arbeiten nicht unter Zeitdruck ausführen zu müssen.

In der heutigen Zeit, wo Grossaufträge und Zeitdruck eine immer wichtigere Rolle spielen, war es gemäss Aussagen des Unternehmers nicht immer leicht, die entsprechende Künstler-Equipe zur Verfügung zu haben.

Umgebungsarbeiten:

Hinten und vorne wurde rund um die Mauer der Asphalt freigelegt, so konnte die Mauer bis unter die sichtbare Endhöhe des Belages erstellt werden und der Belag anschliessend an das Kunstwerk herangezogen werden. So entsteht der Eindruck, wie wenn die Mauer aus dem Boden herauswächst bzw. darin verschwindet.

Anti-Graffiti:

Aufgrund des Zustandes der alten Mauer wäre ein Schutz vor Graffiti wünschenswert gewesen. Dieser wurde aber aus verschiedenen Gründen nicht ausgeführt. So wird diese Mauer in Zukunft neben der Witterung auch anderen wechselnden Einflüssen unterstehen, die einem solchen Kunstwerk die Würde des Alterns verleihen.